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Geschichte des Ortsteils Obernhain

Ortsteil Obernhain

Seit der Gebietsreform 1972 gehört Obernhain zur Großgemeinde Wehrheim. Der Taunusort hat aber eine viel länger in die Vergangenheit reichende Historie, als man es gemeinhin annehmen konnte.

Die frühesten Siedlungsspuren, die in der Obernhainer Gemarkung gefunden wurden, datieren aus der jüngeren Steinzeit. So fand man ein spitzhackiges, leicht beschädigtes Steinbeil, welches auf die erste Epoche der Menschheitsgeschichte im Raum Obernhain hinweist. Das Gebiet war jedoch noch nicht dauerhaft besiedelt, sondern wurde wohl von nomadisierenden Jägern oder Viehhirten berührt.

Mit der Bronzezeit finden sich die ersten Hinweise auf endgültig sesshafte Menschen, die hier Rodungen vornahmen, Wohnplätze anlegten und Felder ackerbaulich nutzten. Da die damaligen Wälder nur spärlich bewachsen und somit leicht zu roden waren, fand man hier ein relativ leichtes Betätigungsfeld. Berühmt ist der Münzfund von Obernhain, welcher den Kelten zugeordnet wird.

Deren Hauptwirtschaftsbereich war die Wetterau mit dem Rhein-Main-Gebiet, wo sie, um Häuptlinge geschart, einen lockeren Verband von Einzelstämmen bildeten.

Die keltische Münze von Obernhain wurde etwa 100 vor Christus geprägt und wird dem Keltenstamm der Treverer zugeschrieben. Ihre Darstellungsweise verdeutlicht den Einfluss und die Verbindung der Kelten mit der Welt des Hellenismus im Mittelmerraum.

Am deutlichsten tritt in der Vorzeit des Dorfes die Römerzeit in Erscheinung. Markantes Zeichen dafür ist der Limeswall, der einst das römische Reich gegen Norden abgrenzte und heute immer noch eine Grenze ausmacht, aber nur noch eine Gemarkungsgrenze zwischen dem sogenannten Vordertaunus zum Hintertaunus.

Wechselhaft bleibt die Geschichte Obernhains in der Zeit der Karolinger. Hatte Karl der Große durch die Einführung von Verwaltung und analoger Einteilung seines riesigen Reiches in Gaue und Marken dafür gesorgt, dass eine Präsenz der Herrschenden dauerhaft möglich wurde, jenseits von Kirchenfürsten, so brachte diese Epoche auch gleichzeitig den ersten urkundlichen Nachweis für Wehrheim, datiert vom 08. Juli 1046. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde Wehrheim und damit auch Obernhain unter dem Einfluss der Grafen von Diez regiert. Sie gründeten am 21. März 1243 das "Kloster Thron".

Obernhain war seit alter Zeit Teil des Amtes Wehrheim.

Wechselhafte Geschicke im Hause der Grafen von Diez fanden logischerweise auch ihren Nachhall beim "gemeinen deutschen Volk", welches nicht zuletzt durch Kriege und Krankheiten wie die Pest gebeutelt wurde. Auch aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges finden sich hierfür in den Archiven zahlreiche Beispiele für die Not, die durch Söldnerheere, Marodeure und anderes Unbill hereinbrachen. Als Folge der vertraglich vereinbarten Regierungsteilung zwischen Kurtrier und Nassau-Oranien aus dem Jahr 1564 hatte Obernhain zeitweilig zwei Bürgermeister. Diese Doppelherrschaft, einmal ein oranischer und ein trierischer Schultheiß, endete erst 1803 mit der Auflösung des Kurstaates.

1866 nahmen die Preußen eine neue Kreiseinteilung vor, die nur 1932 kurzzeitig aufgelöst wurde und durch die kommunale Gebietsreform im Jahr 1972 eine Ablösung fand.

Die gewerblichen Verhältnisse stellten sich im frühen Mittelalter anders dar. Hier wurde Erzbergbau betrieben und mindestens eine Erzschmelze war in Betrieb. Außer Dorfschmied und dem Wagner sind bis in das ausgehende 19. Jahrhundert keine nennenswerten örtlichen Gewerbe oder Handwerke in Obernhain vorhanden gewesen. Verdienstmöglichkeiten boten sich durch die Entwicklung der Forstwirtschaft, wo ansässige Frauen oftmals damit beschäftigt waren, Eichenlohe zu ernten. Zunehmend gewann jedoch der Naherholungsverkehr eine Rolle, spätestens seit den 20er Jahren nahm dieser Wochenend- und stadtnahe Ausflugsverkehr zu.

Die Entwicklung zur Wohngemeinde verlief parallel dazu, was natürlich Auswirkungen auf die Zunahme der Einwohnerzahlen hatte. Obernhain hat sich inzwischen vom ländlich geprägten kleinen Partner Wehrheims zu einer Wohngemeinde entwickelt, die gerade für Menschen aus dem Vordertaunus und dem Rhein-Main-Gebiet attraktiv ist. Seit dem Jahr 2006 haben gerade viele junge Familien im begehrten Neubaugebiet "Feldbergblick", am Fuße des Taunuskamms, eine neue Heimat gefunden.